WIE DEIN HUND DEIN BESTER FREUND WIRD

Gestern habe ich mit meiner lieben Kollegin Anne nach Feierabend im Garten gesessen, ein Bier in der Abendsonne getrunken, wir haben unsere Hunde beobachtet und über Teams gesprochen, die wir schon sehr lange begleiten oder begleitet haben. Teams, die wir recht hilflos kennen gelernt haben. Hilflos, weil der kleine Welpe sie überforderte, weil der Junghund regelmäßig eskalierte oder weil der erwachsene Hund nun gebissen hat. Sie alle hatten die verschiedensten Grundvorraussetzungen. Und heute? Sind sie sich verdammt ähnlich. Sie haben sichere, entspannte und kreative Hunde, die sich gut in dieser Welt zurecht finden. Hunde, auf die man sich verlassen kann. Und diese Hunde haben Menschen an ihrer Seite, die sie verstehen, die ruhig sind und vertrauensvoll durch diese Welt gehen. Menschen, auf die man sich verlassen kann. Eben ein bester Freund, auf beiden Seiten.

Mensch-Hund- Gespanne die eine Symbiose eingegangen sind. Durch viele Tränen, hilflose Momente der Überforderung und Situationen des scheinbaren Versagens hindurch sind sie ihren Weg immer weiter gegangen. Wie wir darauf gekommen sind? Eine sehr gute Freundin von mir hat einen Junghund. Und genau dieser Junghund war zu Beginn sehr ängstlich. Er hat sich in den vergangenen Wochen prächtig entwickelt und nun schlägt die Pubertät zu. Der Knirps wollte gestern nicht spazieren gehen, aus Angst. Das ist einer dieser hilflosen Momente, durch die wir gemeinsam mit unseren Hunden gehen müssen, um an das Ziel zu kommen, dass bereits so viele andere erreicht haben.

Ich schätze, dass die meisten meiner Teams nach ca. 1,5 Jahren an diesem Punkt angekommen sind. Das heißt nicht, dass es ab diesem Zeitpunkt nichts mehr zu trainieren gibt. Alltag ist Training und Training ist Alltag. Aber es wird leichter, man wird sicherer, die früher schwierigen Momente sind keine große Schwierigkeit mehr.

Sei bereit zu lernen

Ich glaube, dass ist der wichtigste Punkt, der dich und deinen Hund zu dieser Symbiose führen kann.  "Die Arbeit über positive Verstärkung ist mehr eine Arbeit an sich selber als am Tier." Dieses Zitat stammt von Viviane Theby und es trifft den Nagel auf den Kopf. Ich mag den Ausspruch nicht besonders, dass das Problem am anderen Ende der Leine hängt. Für mich klingt dieser Satz so, als wäre der Mensch etwas schlechtes und das Verhalten des Hundes ebenso. Doch Fakt ist, dass nur wir es in der Hand haben wie sich unser Hund und unser Zusammenleben entwickelt. Dementsprechend tragen wir eine riesengroße Verantwortung. Für unseren Hund, für uns und für unsere Umwelt.

Um dieser Verantwortung gerecht zu werden ist es unabdingbar sich das notwendige Wissen anzueignen. Es ist wichtig, die Verhalten seines Hundes zu verstehen, die Hintergründe zu kennen, über seine Gesundheit bescheid zu wissen und zu verstehen wie lernen funktioniert. Nur dann ist es möglich allen Parteien gerecht zu werden. Nur zu oft bleibt der Hund leider auf der Strecke. Der, der am wenigsten dafür kann.

Deshalb sei immer bereit neues zu lernen. Empfinde es nicht als eine Last, sondern als eine Freude. Jedes kleine Puzzlestück, dass du bekommst, führt dich näher zu deinem Hund. Sei für jedes neue Wissen dankbar. Und bleib auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, Trainingstechniken und Belohnungen.

Investiere immer in deine Aktie

Aktien und Hundetraining? Ja genau! Vielleicht machst du dir schnell ein neues Browserfenster auf und schaust dir mal den DAX Index der letzten 30 Jahre an. Schau, wie er sich entwickelt hat. Und dann blicke zurück auf deine bisherige gemeinsame Zeit mit deinem Hund. Fällt dir etwas auf?

Vermutlich habt ihr die gleichen Höhen und Tiefen, wie der DAX. Und siehst du noch etwas? Schau nochmal auf den DAX Index. Jedes Hoch ist höher als das letzte. Und jedes Tief ist ebenfalls höher als das letzte. Alle paar Jahre gibt es einen Börsencrash.

Genauso ist das Zusammenleben mit deinem Hund. Bleibst du beständig an deinem Training dran und unterstützt du deinen Hund auch in schwierigen Zeiten, so wird jedes Hoch höher als das vergangene werden und jedes Tief ebenfalls. Der Börsencrash und unserem Zusammenleben sind oft Krankheiten bei Mensch oder Hund. Diese Zeiten reißen uns ziemlich runter. Und danach? Geht es weiter nach oben, wieder höher als beim letzten Mal. Vorausgesetzt du bleibst dran.

Leben ist keine Lineare, es ist eine Kurve ähnlich einem Aktien Index. Halte dir das immer vor Augen und konzentriere dich auch in den schwierigen Zeiten auf die positiven Veränderungen im Vergleich zum letzten Tief. So schaffst du es dein Training aufrecht zu erhalten und absolut gestärkt mit deinem Hund in das nächste Hoch zu gelangen. Das Zusammenleben von dir und deinem Hund ist deine wichtigste Aktie, denn sie bestimmt über eure Lebensqualität.

Achte die Bedürfnisse deines Hundes, und auch deine

Das ist am Ende der wohl entscheidenste Punkt, um dieses symbiotische Zusammenleben mit deinem Hund zu ermöglichen. Damit du nicht beginnst für deinen Hund zu leben, sondern mit deinem Hund. Die Bedürfnisse deines Hundes haben eine sehr hohe Priorität. Er kann sich sein Leben nicht aussuchen, also ist es deine Pflicht auf seine Bedürfnisse zu achten. Wenn du es nicht machst, macht es niemand und dein Hund wird ein ziemlich unglückliches Leben führen. 

Ab einem gewissen Punkt im Training, oft nach 6-9 Monaten, solltest du beginnen vermehrt auch auf deine Bedürfnisse zu achten. Andernfalls wirst du langfristig etwas unglücklich. Die Beziehung und das Zusammenleben von mir und meinen Hunden hat sich nochmals auf eine neue Stufe begeben, als ich angefangen habe wieder mehr für mich selbst zu sorgen. Ich habe mich zum Yoga ein Mal pro Woche angemeldet. Ich koche wieder regelmäßig und ich treffe mich mit Freunden. Die erste Zeit war das nicht möglich, durch Trennungsstress und co. Als das Training Fortschritte zeigte, hatte ich wieder die Möglichkeit meinen Bedürfnissen nachzugehen.

Du kannst nur die Stütze für deinen Hund sein, die du für dich selbst bist. Beginne deinem Hund auch mal was zuzutrauen und schau, was ihr gemeinsam machen könnt. Wo könnt ihr Urlaub machen. Was möchtest du erleben und sehen, wie kannst du deinen Hund hier integrieren.

Wir möchten wahnsinnig gern mehr von der Welt sehen, viel Zeit am Meer verbringen und wir lieben Rucksackurlaube. Fliegen, Backpacking und wandern ist mit unseren Hunden jedoch nicht möglich, bzw. würde es übertrieben sehr auf ihre Kosten gehen. Unsere Lösung? Wir verreisen mit einem selbst ausgebauten Sprinter. Genügend Platz für die Hunde, wir können so ziemlich viel und spontan reisen, am Meer sein und die Zeit zusammen mit unseren Hunden genießen. Du glaubst n nicht, wie sehr unsere Hunde die Urlaube genießen. Im Bus sind sie noch entspannter, als zu Hause. Für mich die perfekte Symbiose.

Deine Tina

Blogartikel #44


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