Podcast #158: Was es bedeutet souverän zu sein

Es gibt eine Fähigkeit, die im Zusammenleben mit Hunden immer wieder genannt und angestrebt wird. Viele Menschen wünschen sich für sich und für ihre Hunde mehr von dieser Fähigkeit, um ihren Alltag harmonischer und leichter zu meistern.
Es geht um Souveränität.

Als Trainerin, Coach und Mentorin für Menschen mit Hunden werde ich oft gefragt, wie man als Hundemensch souveräner werden kann. Oder wie man es schafft, dass der eigene Hund in bestimmten Situationen souverän reagiert, anstatt völlig zu eskalieren.
Souveränität ist eine wunderbare Fähigkeit und Eigenschaft, die du und auch dein Hund entwickeln und mehr und mehr meistern könnt.
Leider wird Souveränität auch oft fehlinterpretiert. Deshalb möchte ich heute meine Gedanken mit dir darüber teilen, damit du deine Souveränität und die deines Hundes stärken und entfalten kannst.

In dieser Podcastfolge erfährst du:

  • Was es bedeutet, souverän zu sein
  • Was Souveränität nicht bedeutet
  • Wie du deine Souveränität stärken kannst 
  • Wie du deinen Hund unterstützen kannst, Souveränität zu entwickeln
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Als Mentorin für Menschen mit Hund begegnet es mir immer wieder, dass es heißt, man müsse souverän sein, um ein schöneres und harmonischeres Leben mit seinem Hund führen zu können. Oft bekomme ich Aussagen zu hören, wie: „Ich weiß, ich bin nicht souverän genug, um meinen Hund in Situation xy zu unterstützen.“ Oder auch: „Mein Hund kann in Situation xy nicht souverän bleiben und eskaliert dann häufig.“

Souveränität ist eine ganz wunderbare Eigenschaft oder Fähigkeit, die du entwickeln und stärken kannst. Ebenso dein Hund. Leider wird diese Fähigkeit auch oft fehlinterpretiert. Das zeigt sich schon in der Formulierung „souveräner Hundeführer bzw. souveräne Hundeführerin“. Dies suggeriert, du müsstest gut darin sein, deinen Hund (an)zuführen.

Ich persönlich möchte meinen Hund gar nicht führen, sondern mich selbst. Souveränität ist nicht die Fähigkeit, andere zu führen, sondern sich selbst zu führen. Ein souveräner Hund führt ja auch nicht seinen Mensch, sondern ist in der Lage, sich selbst zu regulieren und zu führen. Und ist so in der Lage, auch schwierige Situationen gelassen, eigenständig und selbstsicher zu meistern.


"Souveränität ist die Fähigkeit, sich selbst zu führen."


Ein souveräner Mensch ist natürlich auch eine Stütze für andere. Nämlich für all jene, die die eigene Souveränität noch nicht gemeistert haben. Dies sollte und kann jedoch nie das Ziel sein. Das Ziel sollte sein, dass du dich selbst führen kannst. Auch dann, wenn es schwierig wird, wenn du zweifelst, wenn du starke Emotionen erlebst oder du in eine Sackgasse geraten bist.


"Souveränität bedeutet, dass du den Raum für dich selbst halten kannst."


Bist du souverän, dann brauchst du niemanden, der dir gut zuredet und dich nach einem herausfordernden Erlebnis wieder aufbaut. Du hast in dir das Vertrauen, dass du alles schaffen kannst. Und du lässt dich von unvorhergesehenen Ereignissen nicht aus der Bahn werfen oder gar von deinem Weg abbringen.

Das bedeutet nicht, dass du dann unfehlbar bist, nie mehr Selbstzweifel, Angst oder starke Emotionen erlebst oder nie mehr Stress oder Frust hast.
Souveräne Menschen bzw. Lebewesen verlieren sich nicht in ihren Emotionen, Zweifeln oder Ängsten, sondern bleiben bei sich und können sich selbst zurück auf ihren Weg bringen und stetig weitergehen.


"Souveränität ist ein Weg, den wir gehen. Und es ist ok, wenn wir am Anfang Unterstützung brauchen."


Vielleicht denkst du jetzt: „Oh je, oh je! Das habe ich alles nicht. Ich bin nicht souverän.“ Dann mach dir bitte keinen Stress. Das heißt jetzt nicht, dass du nur ein schönes, harmonisches Leben mit deinem Hund führen kannst, wenn du souverän bist. Denn mal ganz ehrlich: Wer von uns hat bereits seine Meisterschaft in Souveränität abgelegt?

Es ist ein Weg, auf dem du gehst. Eine Entscheidung, sich nicht mehr in seinen Emotionen zu verlieren und sich nicht mehr in seinen Selbstzweifeln oder den Zweifeln von außen vom Weg abbringen zu lassen. Und es ist total normal und ok, wenn du am Anfang Unterstützung brauchst, um neue Strategien zu lernen. Um Erfahrungen zu sammeln, ins Vertrauen zu kommen und mehr und mehr „auf eigenen Beinen“ zu stehen und immer öfters Situationen auch alleine bewältigen zu können.

Es geht auch nicht darum, zu lernen, wie du Emotionen wegdrücken oder übergehen kannst. Eher genau das Gegenteil ist der Fall. Es geht darum, deine Emotionen zu fühlen, sie fließen zu lassen und zu erfahren, dass sie auch wieder gehen. So kannst du erleben,  dass es ok ist, Angst zu haben, frustriert zu sein oder auch traurig zu sein. Es geht um die tiefe Annahme deiner Emotionen. Es geht darum, zu erspüren, wo sie herkommen. Was sie dir sagen wollen. Darum, welche tiefere Botschaft sich in diesen Emotionen für dich verbirgt.

Für unsere Hunde gilt das mit der Souveränität genauso wie für uns Menschen. Ein souveräner Hund ist sehr selbstsicher und hat ein tiefes Urvertrauen. Auch, wenn mal etwas Unvorhergesehenes passiert, wird er nicht gleich panisch, sondern er schafft es, sich selbst zu regulieren. Ein solcher Hund hat gute Lösungsstrategien entwickelt und kann auch darauf zugreifen, wenn es mal herausfordernd wird. Solche Hunde sind eine Unterstützung für andere Hunde und auch für Menschen. Sie strahlen regelrecht Sicherheit und Vertrauen aus und man hat das Gefühl, sie wissen immer, was zu tun ist.

"Souveränität gibt es bei Hunden, bei Menschen und bei jedem anderen Lebewesen. Und man kann das lernen."


Auch dein Hund braucht am Anfang Unterstützung und möchte freundlich an die Hand genommen werden. So dass er lernen kann, wie er seine Emotionen regulieren kann. Stück für Stück kann dein Hund so immer mehr eigenständig kluge Entscheidungen treffen. Und gerät er doch einmal aus dem Gleichgewicht, dann bist du für ihn da, als sichere Stütze und Anker. Bis er dich nicht mehr braucht.
Und das sollte das Ziel sein: dass dein Hund dich nicht mehr braucht. Dass du mich nicht mehr brauchst.


"Ich möchte, dass ihr beide euch so sehr eurer Selbst bewusst seid, dass ihr zusammen seid, weil ihr es so gewählt habt. Weil ihr euch mögt, weil ihr es zusammen liebt und nicht aus einem Gefühl der Abhängigkeit heraus."


Und genau aus diesem Grund bekommst du bei mir in den Coachings immer weniger reines Wissen und immer mehr Fühlen und in die Umsetzung kommen. Weil ich nicht möchte, dass du mich brauchst. Denn Brauchen entsteht immer aus einem Mangel heraus.

Fühl gerne mal da hinein und spüre für dich den Unterschied zwischen: „Mein Hund ist abhängig von mir oder glaubt es zu sein“ und „Mein Hund ist unabhängig, soweit dies möglich ist. Er braucht mich nicht und ist trotzdem bei mir, weil er es möchte.“ Da liegen Welten dazwischen.

Um dort hinzukommen, darfst du bedürfnisorientiertes Training in euer Leben integrieren und freundlich zu deinem Hund sein. Und du darfst und solltest dir deine Bedürfnisse anschauen und freundlich mit dir selbst umgehen.

Du darfst in die Seele deines Hundes blicken. Genauso, wie du in deine Seele blickst. Immer und immer wieder. Es gibt so viel Schönes und Wunderbares zu entdecken und zu erleben auf diesem Weg. Und du darfst und kannst jeden Tag neu entscheiden, wie weit du auf diesem Weg gehen möchtest.


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