PODCAST #101: WELCHE ROLLE DOMINANZ IM ZUSAMMENLEBEN MIT DEINEM HUND SPIELT – INTERVIEW MIT GERD SCHREIBER

Ich kann es kaum glauben, doch heute startet die zweite Staffel des Podcasts. Um auch die nächsten 100 Folgen gebührend zu starten, geht es in dieser Folge um eines eurer größten Wunschthemen. Immer wieder bekomme ich Nachfragen zu dominanten Hunden, wie sich ein dominanter Hund verhält oder welche Rolle Dominanz im Zusammenleben mit deinem Hund spielt. 


"Hunde nehmen die Welt, in der wir gemeinsam leben, komplett anders wahr."


Wenn ich über das Training mit dominanten Hunde nachdenke, kommen mir immer die Themenabende mit dem Hundetrainer Gerd Schreiber in den Kopf. Und genau deshalb habe ich Gerd zum Interview eingeladen. Wir sprechen über Dominanz bei Hunden und woran man einen Alpha-Hund erkennt. Außerdem sprechen wir darüber, wann uns Dominanz bei einem Hund begegnet und welche Rolle dominantes Verhalten überhaupt spielt.

In dieser Podcastfolge erfährst du:

  • Was ist Dominanz überhaupt?
  • Welche Rolle spielt Dominanz für das Training mit deinem Hund?
  • In welchen Momenten blockiert der Gedanke um Dominanztheorien das Hundetraining?
  • Wie kannst du Trainings- und Interpretationsfehler im Hundetraining umgehen?
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Ist dein Hund ein dominanter Hund? Oder hat dir schonmal jemand geraten: Du musst der Rudelführer, das Alpha-Tier, sein, damit dein Hund dich nicht dominiert?
Was steckt hinter dem Begriff der Dominanz?
Für den Begriff Dominanz gibt es im wissenschaftlichen Bereich ganz unterschiedliche Definitionen.
 
Im Allgemeinen wird Dominanz als Label für verschiedene Verhaltensweise verwendet, die nahelegen könnten, dass ein Individuum im Rang höher steht als ein anderes. Dies kann sich z. B. durch Beanspruchen von Ressourcen oder Einschränken von Verhalten des anderen zeigen. Dieses Konzept wurde vor vielen Jahren ins Hundetraining übertragen. Und hat sich aus heutiger Sicht betrachtet, nachteilig auf die Mensch-Hund-Beziehung ausgewirkt.

Denn diese Art des Umgangs mit dem Hund hilft nicht dabei, Verständnis füreinander zu schaffen. Ganz im Gegenteil führt es sehr schnell zu Missverständnissen auf beiden Seiten. Und letzten Endes entwickelt sich aus diesen Missverständnissen sehr oft eine Gewaltspirale. In der der Hund, aber auch der Mensch, sehr leidet.

Die Dominanztheorie sollte im Hundetraining keine Rolle spielen. Einfach weil sie dazu nicht konzipiert wurde. Außerdem beschreiben wissenschaftliche Dominanztheorien immer nur das innerartliche Verhalten – also Hunde untereinander. Viele Experten sind sich darüber einig, dass diese Theorien nicht einfach artenübergreifend (also Mensch-Hund) übertragen werden kann.


"Das ganze Dominanzkonzept, die ganze Rangordnungstheorie hat viel Leid auf der Hundeseite gebracht, aber auch auf der Seite des Menschen."

Gerd Schreiber


Gerade Hunde, die Ressourcen verteidigen oder aggressives Verhalten in Begegnungssituationen zeigen, werden sehr schnell als dominant bezeichnet. Dem Menschen wird dann geraten: „Dem musst du mal zeigen, wo der Hammer hängt!“ Oder: „Das darfst du als Rudelführer deinem Hund auf keinen Fall durchgehen lassen. Sonst tanzt er dir nur noch auf der Nase herum.“

Dabei hat der Hund nur auf seine Art und Weise deutlich gemacht, dass ihm diese Situation Unbehagen bereitet. Sei es nun die Angst davor, dass ihm die Ressource entzogen wird oder das Begegnungssituationen Stress, Angst oder Frust bei ihm auslösen. Hunden steht nur ihre Körpersprache zur Verfügung, um sich mitzuteilen. Und da es uns Menschen schwerfällt, kleinste Veränderungen in der Körpersprache wahrzunehmen, haben viele Hunde gelernt bzw. sind sie dazu gezwungen, dies deutlich zu zeigen.


"Sinnvolle Konzepte fürs Training sind die funktionale Verhaltensanalyse und die Lerntheorien. Sie zeigen, wie Lernen funktioniert und wie wir Verhalten verändern können. Dies ist ein sehr konstruktiver Weg mit Problemen umzugehen."

Gerd Schreiber


Um unerwünschtes Verhalten nachhaltig zu verändern, ist es wichtig im ersten Schritt die Auslöser des Verhaltens zu analysieren: Welche Situationen führen zu dem unerwünschten Verhalten des Hundes?
Im zweiten Schritt sollte geschaut werden: Welches Verhalten kann der Hund stattdessen zeigen?

Dies sollte so genau wie möglich definiert werden. Das Alternativ-Verhalten sollte dann im dritten Schritt geübt und gestärkt werden. Die Situation muss also so verändert werden, dass unser Hund das bestmögliche Verhalten zeigen KANN und das unerwünschte Verhalten möglichst nicht mehr auftritt.


"Wir versuchen dem Hund Möglichkeiten zu zeigen, wie er selbstwirksam sein kann, ohne in Aggressionsverhalten zu kommen."

Gerd Schreiber


Hundetraining, das nicht auf Dominanz basiert, läuft in der Regel eher unspektakulär ab. Da Selbstwirksamkeit, Bewältigungsstrategien und Alternativ-Verhalten im Vordergrund stehen, muss man es gar nicht erst zur Eskalation kommen lassen. Sondern das Training setzt schon viel früher an und stärkt die guten Verhaltensweisen der Hunde. Es zeigt ihnen Lösungswege auf, damit sie eigenständig kluge Entscheidungen treffen können.

Das meistgenutzte Gegenargument gegen Training über positive Verstärkung und eine große Angst von vielen Menschen ist, dass der Hund durch die gestärkte Selbstwirksamkeit und Unabhängigkeit eine schlechtere Bindung zu seinem Menschen hat. Und dadurch dann weitere Probleme entstehen. Tatsächlich ist das Gegenteil aber der Fall. Denn Hund und Mensch arbeiten nicht gegeneinander sondern miteinander. Bindung und Vertrauen werden gestärkt und es kann sich eine harmonische Hund-Mensch-Beziehung entwickeln. 


"Wir Menschen sollten darauf achten, dass unsere Hunde es in unserer Welt wohl haben. Dass sie ihre Bedürfnisse ausleben können – wenigstens teilweise. Denn wir haben sie in unsere Welt geholt und das legt uns eine gewaltige Verantwortung auf."

Gerd Schreiber


Alles Über Hundetrainer und Verhaltensberater Gerd Schreiber

Gerd Schreiber ist nicht nur live eine Bereicherung für dich und deinen Hund. Er ist auch online unterwegs, um Menschen mit Hunden zu unterstützen. Auf folgenden Seiten findest du alles über ihn, seine Arbeit und Ankündigungen für seine Webinare und Seminare online und live.

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