WORAN ES LIEGT, WENN DEIN HUND FEHLER MACHT

Vermutlich kennt jeder die klassische Phrase "Das Problem liegt immer am anderen Ende der Leine". So richtig glücklich gewählt ist dieser Satz nicht, da er ziemlich viele negative Emotionen und Vorwürfe transportiert. Doch in einer Weise muss ich diesem Satz zustimmen. Unsere Hunde sind das, was wir aus ihnen machen. Durch Zucht, Umfeld und die Erziehung. Das bedeutet nicht, dass wir das Problem sind. Es bedeutet vielmehr, dass alles in unserer Hand liegt und wir die Verantwortung für unseren Hund und sein Wohlbefinden tragen. Es ist unsere Aufgabe für seine, unsere und die Sicherheit unseres Umfelds zu sorgen.

Für mich ist das eine fantastische Aufgabe, nicht immer leicht, aber immer sehr lehrreich. Woran liegt es nun, wenn unser Hund sich anders verhält, als wir es von ihm erwarten?

Deine Trainingsstrategie und dein Fleiß

Entscheidend für das Verhalten deines Hundes ist die Strategie deines Trainings und die Energie, die du darin investierst. Deine Strategie sollte deinem Hund langfristig eine Verhaltensalternative bieten, von dir vorgeschlagen, oder von ihm selbst ausgesucht. Er sollte möglichst lernen, was für dich ok ist. Zusätzlich sollte sich dieses Verhalten auch für ihn gut anfühlen, damit er es langfristig zuverlässig und gern zeigt. So macht das Training nicht nur Spaß, sondern ist auch noch nachhaltig. Auf unterdrücken von unerwünschten Verhaltensweisen solltest du verzichten und statt dessen lieber Management wählen für all die Situationen, die dein Hund aktuell noch nicht bewältigen kann.

Hüte dich hier vor zu hohen Erwartungen. Es ist nicht einfach hier die goldene Mitte zu finden. Die Mitte zwischen "zu leicht" und "überfordernd". Gestaltest du die Situationen stets zu einfach, wird dein Hund irgendwann kaum noch Fortschritte machen, weil er in keine neue Situation geführt wird. Machst du deine Schritte zu groß wird das unerwünschte Verhalten wieder auftreten. Dann zu sagen, dass er vermutlich doch mal eine Portion Ärger bekommen müsste, spricht nicht für sein Versagen, sondern für unsere Ungeduld.

Ich empfehle immer auf folgendes zu achten:

  • kann dein Hund noch locker Futter nehmen?
  • sind seine Bewegungen noch locker?
  • ist er noch ansprechbar?

Wenn diese Dinge gegeben sind, kannst du in der Situation bleiben. Bekommt dein Hund allerdings Schwierigkeiten sei vorsichtig und unterstütze ihn rechtzeitig. Genau auf diesem schmalen Grad kannst du dich bewegen und weiter trainieren. Nicht einfach zu finden, deshalb beobachte deinen Hund stets genau und lerne seine Körpersprache kennen. Lerne, wie er aussieht, bevor es ihm zu viel wird. Und ganz wichtig: Strafe ihn nie für dein unzureichendes Training! Es ist ok, mal weniger zu trainieren. Es ist jedoch nicht ok, den Hund dafür büßen zu lassen.

Achte auf seine Gesundheit

Plötzliche Verhaltensveränderungen haben häufig gesundheitliche Ursachen. Die Gesundheit des Hundes ist ein absolut limitierender Faktor im Training. Macht dein Hund Rückschritte, keine weiteren Fortschritte, oder tritt unerwartet neues Verhalten auf, solltest du in jedem Fall seine Gesundheit checken lassen.

Sie können uns nicht sagen, was ihnen fehlt, oder wie es ihnen geht. Das macht es ziemlich schwer gesundheitliche Veränderungen festzustellen. Doch es lohnt sich hier auf die Suche zu gehen. Manchmal ist es die Verdauung die Schmerzen bereitet. Vielleicht ist es auch der Bewegungsapparat und eine Physiotherapie kann helfen. Oder der Stoffwechsel ist aus dem Gleichgewicht geraten. Es gibt so unzählige Möglichkeiten, was einem Hund Sorgen bereiten kann. Es ist unsere Pflicht es heraus zu finden, wenn ihnen etwas fehlt. Sei aufmerksam, jeden Tag. Dein Smartphone kann in deiner Tasche bleiben, wenn du spazieren gehst. Schau dir deinen Hund jeden Tag an. Dann wirst du Veränderungen zeitig bemerken und gut beschreiben können. Umso leichter fällt dann die Diagnose.

Schau in den Spiegel

An den meisten Tagen läuft hier alles ziemlich entspannt ab. Unsere Hunde sind wirklich lieb, fleißig und unauffällig. Hin und wieder kommt es jedoch vor, dass sie auf den Spaziergängen aufgeregter sind, sich zu Hause anzicken, oder eigentlich erledigte unerwünschte Verhaltensweisen wieder auftauchen (an erster Stelle steht hier Viserio, der dann doch nochmal Essen klaut). Warum sie das machen? Die Ursache sind in diesen Fällen sehr sehr häufig wir selbst.

Und da stimmt die Phrase vom Anfang durchaus. Wir sind an diesen Tagen müde, erschöpft, genervt, ungeduldig, in Eile, mit den Gedanken woanders,... Und unsere Hunde spiegeln uns sofort. Macht es hier Sinn verärgert zu sein? Den Hund zu strafen? Oder sogar alles hin zu schmeißen? Natürlich nicht, denn es macht Sinn zuzuhören. Ich nehme mir dieses Spiegelbild an und gehe sofort in die Veränderung. Ich nehme einen Gang raus, mache eine Pause und setze mich in die Wiese mit ihnen, meditiere, koche, oder mache etwas anderes, dass mich wieder zurück holt.

Liegt nicht genau darin das größte Geschenk, dass uns unsere Hunde machen?

Deine Tina

Blogartikel #45


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