JAGDVERHALTEN, BEGEGNUNGSTRAINING, IMPULSKONTROLLE – CLICK FÜR BLICK ALS EINSTIEG ZU MEHR GELASSENHEIT

Wenn ich ein Thema nennen müsste, das mir am häufigsten begegnet, dann ist es ein Hund, der seinem ersten Impuls folgt. Ein Hund, der blitzschnell reagiert und keine Option für andere Ideen offen lässt. Häufig sogar so schnell, dass der Mensch dahinter gar nicht so schnell gucken kann, wie der Hund bereits reagiert.

Gerade in Situationen wie diesen, heißt es oft, dass freundliches Training an seine Grenzen kommt. Dem möchte ich ganz klar widersprechen. Doch ich möchte zustimmen, dass es nicht immer einfach ist einen Fuß in diese Situation zu bekommen. Eine meiner liebsten Übungen, um auch für diese explosiven Momente einen ersten Schritt in Richtung Kooperation zu gehen, ist ganz klar Click für Blick für einen entspannten Hund. Es ist eine der besten Übungen, um Impulskontrolle aufzubauen.

Jagdverhalten, Hundebegegnungen, Impulskontrolle: Situationen in denen Click für Blick deinem Hund helfen kann:

Prinzipiell ist es immer dann geeignet, wenn dein Hund bei einem Reiz Stress empfindet und nur noch schlecht ansprechbar ist. Click für Blick hilft dir, einen entspannteren Hund zu bekommen. Ich möchte dir hier ein paar Beispiele geben, doch es gibt noch weitaus mehr Situationen, in denen Click für Blick hilfreich sein kann:

  • wenn dein Hund Schwierigkeiten bei Hundebegegnungen hat (bspw. Angst, Frust, Aggression)
  • wenn dein Hund Schwierigkeiten in Begegnungen mit Menschen hat (Jogger, Spaziergänger, Menschen mit Gehhilfen, Radfahrer, Kinder, ...)
  • bei Angst vor Autos, Mülltonnen, Pferden oder anderen Dingen und Tieren 
  • bei starkem Jagdverhalten, wenn dein Hund hetzen will und kaum ansprechbar ist
  • wenn dein Hund draußen alles frisst, was er findet. Click für Blick eignet sich auch als Anti Giftköder Training oder wenn dein Hund Kot fressen will
  • wenn dein Hund andere Menschen anspringt
  • bei Angst vor lauten und plötzlichen Geräuschen hat
  • wenn dein Hund Ressourcen verteidigt
  • wenn dein Hund am Gartenzaun bellt

Diese Liste könnte noch um viele weitere Situationen ergänzt werden. Dir wird vermutlich langsam klar, wann Click für Blick ein Einstieg sein kann. Immer dann, wenn dein Hund die Fassung verliert.

Was du für Click für Blick brauchst:

Grundsätzlich benötigst du nicht viel, doch dein Equipment muss passen. Ich möchte dir in jedem Fall empfehlen, deinen Hund an einem gut sitzendes Brustgeschirr anzuleinen. So vermeidest du Schmerzen, die im übelsten Fall mit deiner Trainingssituation verknüpft werden. Außerdem vermeidest du so, dass der Erfolg ausgebremst oder sogar verhindert wird.

Sollte dein Hund dazu neigen, ruckartig in die Leine zu springen, kann ein Ruckdämpfer ebenfalls ratsam sein. Ist er ein kleiner Ausbrecher, dann wähle direkt ein ausbruchsicheres Geschirr. Das sollte tatsächlich einfach zu deinem Standardequipment gehören. Kommen wir nun zu den eigentlichen Dingen, was du für Click für Blick brauchst:

  • ein Markersignal, das dein Hund im besten Fall bereits kennt
  • Belohnungen, die dein Hund in dieser Situation auch wirklich möchte
  • ausreichend Abstand zum Reiz (bspw. andere Hund, Wildtiere, andere Menschen)
  • einen bewussten Atem, damit DU nicht die Fassung verlierst 😉

Click für Blick: Was bedeutet Click?

Mit Click ist das Markersignal gemeint. Das Markersignal ist ein Belohnungsankündiger für deinen Hund und erfüllt damit gleich mehrere günstige Funktionen in dieser Übung.

  1. Da das Markersignal ausschließlich mit Belohnungen verknüpft ist, löst bereits selbst der Click positive Emotionen aus. So kannst du deinen Hund in schwierigen Situationen, die ihm Stress bereiten, emotional unterstützen und ihm aktiv helfen, nicht in das alte Handlungsmuster zu fallen. Dein Markersignal kann ein Clicker oder auch ein Wort sein.
  2. Du bringst dich positiv in die Situation ein. Dein Hund weiß, dass du dabei bist und die Situation ebenfalls bemerkt hast. Er weiß auch, dass jetzt etwas für ihn Angenehmes von dir folgt. Er weiß, dass du ihm hilfst. Somit wird dein Hund über die Wiederholungen leichter ansprechbar.
  3. Es pflanzt eine neue Idee im Kopf deines Hundes. Dein Hund weiß, was nach dem Markersignal alles Schönes folgen kann. Also wird sein Köpfchen direkt mit diesen Ideen beschäftigt sein, sobald das Signal kam. Dadurch entstehen neben der Ursprungsidee, wie bellen, hetzen, fressen, buddeln, anspringen oder flüchten weitere Ideen und dein Hund wird flexibler in seinen Handlungen.

Es ist wichtig, dass du dein Versprechen auf eine Belohnung IMMER einhältst, um die Erwartungshaltung und die damit verbundene positive Wirkung nicht zu zerstören.

Click für Blick: Was bedeutet Blick?

Hier schleicht sich vermutlich der häufigste Trainingsfehler ein. Bei dieser Übung wird NICHT der Blick zu dir belohnt, sondern der Blick zu dem Reiz, der deinen Hund stresst. Erblickt dein Hund den anderen Hund, Mensch, das Auto, den Kothaufen, etc., dann folgt sofort dein Click und es gibt die Belohnung.

Du verstärkst hier das ruhige angucken des Stress auslösenden Reizes. Glaub mir, ruhig schaut dein Hund immer irgendwann, wenn auch nur für den Hauch einer Sekunde. In diesen Momenten ist deine Schnelligkeit gefragt und der entsprechende Abstand, damit ihr die Situation meistern könnt.

Auch nach dem Click muss dich dein Hund nicht von selbst anschauen. Du kannst ihm die Belohnung anbieten. In diesem Trainingsschritt geht es in keinster Weise um Aufmerksamkeit, sondern darum, überhaupt einen Einstieg zu bekommen und das ruhige gucken zu verlängern, damit dein Hund langfristig nicht sofort reagiert.

Übrigens: Schaut dein Hund nach der Belohnung wieder zum Reiz, folgt der nächste Click usw.

So belohnst du deinen Hund richtig:

Du kannst deinen Hund mit allem belohnen, was dein Hund in dieser Situation gern haben oder machen möchte. Hat dein Hund Angst ist ein Spiel vermutlich keine geeignete Belohnung. Doch du könntest im Bogen laufen und den Abstand vergrößern.

Möchte dein Hund gerade etwas Gefundenes fressen, wird stimmliches Lob ebenfalls nicht als Belohnung funktionieren. Hier wären Leckerli eine zu der Situation passende Belohnung. Ich selbst nutze sehr gern Futter, da es mir die Situation leichter macht. Oft ist es schon schwierig genug, alles zu koordinieren. Wenn ich dann noch überlegen muss, ob mir eine kreative und passende Belohnung einfällt, dann würde ich wohl häufig scheitern. Achte bei der Futterbelohnung darauf, dass sie deinem Hund wirklich richtig gut schmeckt und mache sie klein. Du möchtest ja nicht füttern, sondern belohnen.

Einen wichtigen Punkt gibt es noch zu beachten: Die Belohnung sollte möglichst weg von dem Reiz gehen, der deinen Hund gerade aufregt. So bastelst du von Anfang an eine erste kleine Weiche für dein späteres Alternativverhalten.


Was dein Hund bei Click für Blick lernt:

Dein Hund lernt, dass es sinnvoll ist, sich Situationen etwas genauer anzugucken, statt direkt darauf zu reagieren. Durch die Belohnung wird dein Hund merken, dass er sich in deiner Gegenwart gut und sicher fühlt, auch wenn es um euch herum stressig wird. Durch Click für Blick wird dein Hund verstehen, dass du mit ihm und nicht gegen ihn arbeitest. Hand in Pfote sozusagen. Er lernt, das Kooperation mit dir sinnvoll ist.

Die STolpersteine bei Click für Blick:

Es gibt einige Stolpersteine, die ich unbedingt mit dir teilen möchte. Sozusagen die häufigsten Trainingsfehler, dir mir in den vergangenen Jahren begegnet sind.

  • Du beginnst erst, wenn dein Hund bereits auf 180 ist

Die Trainingssituation beginnt, wenn dein Hund den Reiz wahrgenommen hat, nicht erst, wenn er bereits sehr aufgeregt ist. Beginne daher rechtzeitig deinen Hund für die Wahrnehmung des Reizes zu belohnen. Häufig zeigen Hunde auf größere Distanzen noch Meideverhalten, welches von uns oft ignoriert wird. Schule hier dein Auge und beginne lieber zu früh (wenn es das überhaupt gibt), als zu spät.

  • Du gehst zu nah an den Reiz ran

Die Distanz ist enorm wichtig, damit dein Hund noch mitarbeiten kann. Du solltest die Distanz an die Reaktionsschwelle deines Hundes anpassen, nicht an deine Wünsche. Es ist möglich, dass dein Hund durch diese Übung näher ran gehen kann als sonst. Doch auch das solltest du nicht ausreizen. Schließlich möchtest du auch, dass dein Hund die positiven Emotionen und im besten Fall etwas Entspannung mit der Situation verknüpft. Lockst du ihn zu nah heran, entsteht ein Konflikt und diese Situation hat dir keine positive Lernerfahrung bei deinem Hund eingebracht.

  • Du wartest zu lange mit dem Click

Jede Situation ist anders und auch die Leistung deines Hundes ist abhängig von seiner Tagesform. Achte deshalb darauf, deinen Hund nicht zu lange warten zu lassen, bis der Click kommt. Sonst riskierst du, dass er doch wieder in sein altes Handlungsmuster fällt.

  • Du verlangst, dass dein Hund dich anschaut

Wie bereits zuvor geschrieben ist dies kein Bestandteil dieser Übung. Und genau deshalb ist sie ein super Einstieg, selbst bei der reaktiven Hunden. Bevor dein Hund nicht ruhig gucken kann und gut ansprechbar ist, solltest du nicht darauf warten, dass er dich von selbst anschaut. Auch nicht nach dem Click.

  • Es sind zu viele Wiederholungen im Training

Impulskontrolle steht deinem Hund täglich nicht unendlich zur Verfügung. Achte deshalb unbedingt darauf, lieber eine richtig gute Situation zu meistern, anstatt deinen Hund für eine Stunde in für ihn schwierige Situationen zu bringen. Qualität geht hier ganz klar vor Quantität!

Der erste Schritt ist getan, so geht es weiter

Click für Blick ist im Hundetraining ein Einstieg, nicht das Ende. Mit dieser Übung bekommst du einen Fuß in die Tür. Im besten Fall einen richtig großen BigFoot-Fuß, damit die Tür so schnell nicht mehr zu gehen kann. Im Anschluss solltest du Ausschau nach einem passenden Alternativverhalten halten, damit dein Hund langfristig eine neue Handlungsstrategie erlernen kann. Der allerbesten Fall wäre, du trainierst bis zu dem Punkt, an dem dein Hund diese neue Strategie auch ohne deine Hilfe nutzt. Doch denke daran: Schritt 1 vor Schritt 5. Mit Click für Blick kannst du dir eine fantastische Basis für dein weiteres Training schaffen.

Blogartikel #51


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