DIE SUCHE NACH DER BALANCE ZWISCHEN LANGEWEILE UND ÜBERFORDERUNG

Ich war gerade im Urlaub mit meinen Hunden. In diesem Urlaub machte ich mal wieder eine erschreckende Erkenntnis. Chouky ist inzwischen ziemlich angeschlagen. Seine vielen Bandscheibenvorfälle bereiten ihm hin und wieder Probleme. Jedoch sind es aktuell seine Nieren, die ihm stark zu schaffen machen. Wegen dieser und vieler weiterer Probleme schone ich Chouky seit geraumer Zeit. Ich habe unsere Spaziergänge von der Dauer und Strecke reduziert. Statt dessen gab es etwas mehr Beschäftigung in der Wohnung.

Mir fiel auf, dass Chouky unzufrieden wirkte. Jedoch wollte ich dem Rat folgen ihn zu schonen. Und nun kam der Urlaub. Wir wollten jeden Tag eine Strecke mit den Hunden wandern gehen. Natürlich nicht zu lang wegen Chouky. Direkt den ersten Tag sind wir falsch gelaufen und waren am Ende satte 10 Kilometer am Stück unterwegs. Ich war voller Sorge, dass Chouky sich den nächsten Tag nicht mehr bewegen kann (alles schonmal passiert). Doch siehe da, am Auto angekommen wollte er nicht einsteigen sondern weiter laufen. Abends war er durchaus schwach auf den Beinen, aber er humpelte nicht. Am nächsten Morgen lief alles wieder wie geölt.

Also gingen wir wieder los, knapp 10 Kilometer am Stück. Es war das gleiche Spiel. Chouky war danach sichtlich müde aber zufrieden und konnte den nächsten Tag noch besser laufen. So sind wir am Ende jeden Tag ca. 10 Kilometer mit den Hunden gewandert und haben nun beschlossen diese Strecke auch im Alltag zu laufen. 

Chouky ist für die Bewegung aktuell unendlich dankbar, genießt es draußen zu sein. Seine alten Knochen wirken wieder wie neu geölt.

Wie viel Beschäftigung braucht mein Hund?

Ich erlebe es immer wieder, dass Hunde zu wenig ausgelastet werden oder aber viel zu viel. Nun ist es mir selbst passiert. Aber wie findet man die richtige Balance zwischen Langeweile und Überforderung beim Hund?

1. Orientiere dich am allgemeinen Ruhebedürfnis von Hunden

Es gibt verschiedene Angaben von Ruhezeiten für Hunde. Die meisten bewegen sich zwischen 17 - 20 Stunden Ruhe am Tag. Das ist ein guter Anhaltspunkt, um das zu wenig auszuschließen. Bekommt ein Hund nur 1 Stunde Aufmerksamkeit am Tag und hat die restliche Zeit nichts zu tun ist es definitiv zu wenig. 10 Stunden Action täglich sind demnach definitiv zu viel.

Jedoch ist das Ruhebedürfnis beim Hund sehr individuell und teils auch rasseabhängig. Daher solltest du deinen Hund beobachten, wieviel Beschäftigung er sich wünscht und ihm gut tut. Bei meinen Hunden ist eine Zeitspanne von 4-5 Stunden Beschäftigung täglich perfekt. Dann sind sie am zufriedensten, sie sind ausgeglichen und machen keinen Unfug. Wenn es mehr ist merke ich es nach spätestens zwei Tagen. Sie werden unkonzentriert, schläfrig und langsam. Ist es zu wenig sind sie ebenfalls unkonzentriert, aber schläfrig und langsam sind sie dann nicht. Sie fangen an komische Ideen zu haben und setzen diese dann auch um.

Haben wir wirklich aufregende Tage hinter uns bekommen meine Hunde ein oder zwei Erholungstage.

2. Schlafverhalten beim Hund: Wie oft soll ein Hund tagsüber schlafen?

Wir Menschen sind eine ganz lange Zeit am Stück wach und aktiv und brauchen dann eine längere Zeit am Stück für unseren Erholungsschlaf. Das ist bei Hunden anders. Sie bevorzugen einen stetigen Wechsel zwischen Schlaf- und Wachphasen. Demnach ist es für einen Hund deutlich angenehmer eine Stunde beschäftigt zu sein, 3 Stunden zu schlafen, dann wieder beschäftigt zu sein, wieder zu schlafen, etc.

Daraus ergeben sich zwei Grundprinzipien in der Haltung eines Hundes.

Gestalte den Hundealltag möglichst angepasst an die Ruhezeiten deines Hundes

Bei uns sieht das ganze so aus. Wir gehen morgens eine große Runde spazieren. Das ganze dauert ca. 60 - 90 Minuten. Im Anschluß haben meine Hunde ca. 4 Stunden Ruhe. Dann ist Mittag und wir gehen entweder raus für 60 - 120 Minuten oder wir beschäftigen uns indoor. Habe ich mal keine Zeit für sie bekommen sie etwas zum selbst beschäftigen. Hierzu nutze ich sehr gern die verschiedensten Futterspielzeuge von Kong und Co.  An manchen Tagen, wenn das Wetter schlecht ist, üben wir in der Wohnung neue Tricks.

Danach ist wieder Ruhezeit für ca. 4 Stunden bevor es nochmals ab nach draußen geht zur Abendrunde. Im Sommer ist sie länger, im Winter sind es zwischen 45 und 60 Minuten. Wenn die Hunde Lust haben wird abends noch etwas in der Wohnung gespielt, gekuschelt, getrickst.

So haben sie einen ganz netten Rhythmus zwischen Schlaf- und Wachphasen. Sie sind ca. 4 Stunden am Tag aktiv mit uns beschäftigt. Die restliche Zeit können sie Ruhen oder mit Kleinigkeiten selbst verbringen. In meiner gesamten Wohnung liegen diverse Spielzeuge bereit.

Dauerbespaßung des Hundes führt eher zu Stress als zu auslastung

Immer wieder begegnet mir diese Theorie, dass es sinnvoll ist den Hund einmal am Tag so richtig auszupowern. Eine richtig lange und schnelle Radtour, stundenlanges Ball werfen oder 3 Stunden Spaziergang mit vielen Außenreizen ist dann die Empfehlung. Betrachtet man das Ruhebedürfnis des Hundes und seine bevorzugte Art der Ruhephasen wird deutlich, dass dieser Ratschlag zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht ist.

Bevor ein Hund dermaßen ausgepowert wird stand meist eine lange Phase der Langeweile. Manchmal kommt die Langeweile auch erst danach. Die Langeweile Phase ist nicht im Interesse des Hundes, trotzdem kann es mal vor kommen. Was das auspowern jedoch begünstigt ist zusätzlicher Stress beim Hund. Eine sehr lange sehr aktive Phase ruft Stress hervor. Völlig kaputt legt der Hund sich dann in sein Bett. Muskelkater macht sich gern breit, der oftmals nicht bemerkt wird.

Finden diese Tage regelmäßig statt ist es sehr wahrscheinlich, dass der Hund in einen dauerhaften Stress fällt und ständig zwischen Überforderung und Langeweile hin und her hangelt.

Tatsächlich kann es schwierig werden beruflich jeden Tag die entsprechenden Zeitfenster einzuräumen. An Tagen an denen dies nicht möglich ist können zum Beispiel Dogwalker eine gute Lösung sein. So wird dem Hund ein besserer Rhythmus ermöglicht und der Mensch kann etwas entspannter von der Arbeit heim kommen, da er den Hund nun nicht 3 Stunden oder mehr auspowern muss.

Ich kann feststellen, je mehr ich auf diesen Rhythmus achte, desto ausgeglichener sind meine Hunde. Sie verhalten sich ruhiger, wirken zufriedener und so manches unerwünschte Verhalten hat sich in Luft aufgelöst.

3. Den Hund auslasten: Worauf sollte man achten?

Auch das ist ein Phänomen, welches ich bei Neukunden immer wieder beobachten kann. Ihre Hunde zeigen problematisches Verhalten. Die scheinbar einzige Ursache hierfür scheint zu wenig Auslastung zu sein. Dann folgt meist die "einmal richtig auspowern"-Strategie. Oftmals steckt hier viel mehr dahinter. Jeder Hund hat jeden Tag diverse Erlebnisse zu bewältigen. Jedes dieser Erlebnisse löst mal mehr mal weniger Stress aus. Hat ein Hund mehrere stressende Erlebnisse täglich macht es durchaus Sinn die Ruhephasen etwas zu verlängern, oder Wege zu finden an denen diese Situationen nicht ständig auftreten.

Den Hund dann weiter auszupowern führt nur weiter in eine Überforderung. Viel besser ist der Weg des Trainings. Das Hundetraining sollte hierbei aus mehreren Bausteinen bestehen:

  • gezieltes Training am Problem, um den Stress beim Hund auf Dauer zu reduzieren
  • Management
  • Pausentage

Trainieren statt dominieren

Gezieltes Hundetraining ist selbstverständlich unumgänglich, wenn man die Situation nachhaltig verändern möchte. Dadurch kann der Stress auf Dauer bei dem Tier und dem Mensch reduziert werden. Alle beide lernen neue Strategien im Umgang mit der schwierigen Situation. So wird am Ende die Lebensqualität aller gesteigert. Wichtig hierbei ist durchaus die Gestaltung des Trainings. Ein Trainingsaufbau der so gestaltet wird, dass Mensch und Hund jede Situation bewältigen können ist hierbei essentiell. Außerdem sollte der Weg über ein belohnungsbasierendes Training erfolgen. Andernfalls sinkt sonst zwar der Stress beim Mensch, beim Hund ist es jedoch fraglich.

Leben mit Hund: Managen von schwierigen Situationen

Management bedeutet letzten Endes, alle Situationen möglichst so zu gestalten, dass vorerst keine problematischen Situationen entstehen die der Hund noch nicht lösen kann. Außerdem macht es Sinn ein Verhalten nach dem anderen zu trainieren. Ist mir also das Begegnungstraining am wichtigsten, lege ich meinen Fokus darauf. Reagiert der Hund außerdem null auf seinen Rückruf bekommt er erstmal eine Schleppleine, bis Zeit und Nerven da sind um dieses Verhalten zu trainieren. Legt man seinen Fokus auf nur ein Verhalten erzielt man in der Regel recht schnelle Fortschritte. So bleibt auch der Mensch motiviert dabei und freut sich darauf das nächste anzupacken. Alle Baustellen sofort gleichrangig zu bearbeiten führt oft zur Überforderung und Frust bei Mensch und Hund.

Gönne deinem Hund ausreichend Pausen im Training

Als letztes sind Pausentage für mich unerlässlich. Sie zählen ein bisschen in die Kategorie Management. Jedoch sind sie für mich so wichtig, dass ich sie dir nochmals extra ans Herz legen möchte. Jeden Tag Situationen aufzusuchen, die schwierig für dich und deinen Hund sind wird euch ebenfalls in eine Überforderung bringen. Nimm dir zwei oder drei Tage pro Woche Pause. An diesen Tagen suchst du ausschließlich schöne Situationen mit deinem Hund auf. Situationen die für euch entspannt verlaufen. Es warten hier keine Auslöser für problematisches Verhalten auf euch. Ihr könnt an diesen Tagen einfach euer Leben in vollen Zügen geniessen. Das schafft Zufriedenheit und Entspannung für euch beide. Ich jedenfalls liebe meine Pausentage.

Tatsächlich ist es ziemlich schwierig diese Balance zu finden. Welpen und junge Hunde haben nochmals andere Bedürfnisse als erwachsene oder sogar Rentnerhunde. Je nach Rasse und individuellem Charakter variiert das nochmals. Ich hoffe mit meinen Tipps findest du deinen Weg in eure Balance.

Blogartikel #07


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